Aus Zwei mach Eins – Forschungsprojekt zur Wärmeversorgung kleinerer und mittlerer Gebäude gestartet
Die Kooperationsvereinbarung dazu wurde Mitte Mai unterzeichnet. Zunächst werden erste Sondierungsbohrungen auf der dafür ausgewählten Liegenschaft stattfinden – der Kindertagesstätte Oselstraße 39 in Pasing, die unter Ensembleschutz steht. Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von rund drei Jahren. Das Ein-Brunnen-System wird bereits Mitte 2027 betriebsbereit sein und somit die Wärmeversorgung von Erdgas auf regenerative Energien umstellen.
Innovativer Ansatz
Klassische Wärmepumpenanlagen benötigen ausreichend Platz für mindestens zwei Grundwasserbrunnen auf dem Grundstück. Für zahlreiche städtische Objekte kommt eine Zwei-Brunnen-Lösung daher nicht infrage. Das nun für die Erprobung vorgesehene Ein-Brunnen-System ist ein innovativer Ansatz, der diese Lücke schließen soll. Der Clou des Systems: Entnahme und Wiedereinleitung des Grundwassers finden in einem einzigen Brunnen statt. Eine Abdichtung verhindert, dass gekühltes Wasser wieder in die Entnahmezone zurückströmt.
Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand: Bei einem statt zwei Brunnen werden deutlich weniger Fläche und Technik benötigt. Das entspricht dem angestrebten Suffizienzansatz der Abteilung Haustechnik (H7). Das System überzeugt durch geringere Investitionskosten, einen reduzierten baulichen Aufwand sowie dauerhaft niedrigere Betriebskosten.
Partnerschaftliche Zusammenarbeit
Für ihr Forschungsprojekt suchten die SWM ein geeignetes Bestandsgebäude, um eine Brunnenanlage unter Realbedingungen zu testen. Während die SWM die technische Planung und Systemauslegung der Brunnenanlage übernehmen, stellt die Landeshauptstadt München (LHM) den Standort bereit und rüstet diesen für eine Wärmepumpenlösung um. Mit diesem Projekt leistet die Abteilung Hautechnik (H7) einen aktiven Beitrag zur städtischen Wärme- und Klimastrategie. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben durch die TUM, die das thermische Verhalten sowie die Leistungsfähigkeit im Betrieb untersucht. Die Firma BaugrundSüd realisiert den Pilotbrunnen und bringt ihre bohrtechnische Expertise ein. Nach Errichtung der Brunnenanlage geht diese kostenfrei in den Besitz der LHM über.
Hohes Potential
Nach erfolgreichem Projektabschluss könnte das Ein-Brunnen-System in den städtischen „Werkzeugkasten der Dekarbonisierung“ aufgenommen werden. Es könnte zur Versorgung von Grundstücken außerhalb des Fernwärmenetzes genutzt werden, die über das geeignete Grundwasservorkommen verfügen. Da die Systemleistung optimal auf kleine bis mittlere Gebäude zugeschnitten ist, ergibt sich für den Hochbau ein breites Einsatzspektrum. Von Kindertagesstätten und kleinen Schulen über Bezirkssportanlagen bis hin zu Feuerwachen und Betriebsbauten – städtische Gebäude dieser Größenordnung könnten mit dem System eine nachhaltige Wärmeversorgung bekommen.
Klimaschutz und suffiziente Haustechnik
Das Pilotprojekt fügt sich in die Gesamtstrategie zur Dekarbonisierung ein und ist Teil der Maßnahmen, die sich aus dem „Grundsatzbeschluss II Klimaneutrales München 2035 und klimaneutrale Stadtverwaltung 2030: Von der Vision zur Aktion“ (GSBII) ableiten. Mit der Unterstützung des Forschungsprojekts leistet die LHM einen wertvollen Beitrag. Durch die Umsetzung dieser Maßnahme im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung nimmt sie ihre Vorbildfunktion für einen ambitionierten Klimaschutz aktiv wahr.

