Profanierte Kapelle St. Martin – Vom denkmalgeschützten Sakralort zum multifunktionalen Veranstaltungsraum
Das neobarocke Gesamtensemble wurde in den Jahren 1892-1905 nach Plänen von Karl Hocheder und Robert Rehlen errichtet. Ein Großteil der historischen Bausubstanz ist auch heute noch erhalten und wurde im Rahmen der Generalsanierung so weit wie möglich bewahrt und behutsam instandgesetzt. Anpassungen an die heutigen Anforderungen erfolgten insbesondere hinsichtlich Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit, Brandschutz und Gebäudetechnik sowie zugunsten einer multifunktionalen Nutzung.
Damals und heute
Zum Gebäudekomplex des ehemaligen Altenheims gehört im ersten Stock des Süd-Ost-Trakts auch die katholische Spital-Kirche. Den insgesamt eher schlichten weißen Innenraum prägen jedoch kunstvolle Stuckarbeiten sowie historische Wand- und Deckenmalereien von Julius Mössel. Altar und Kanzel stammten aus der Sankt-Martin-Kirche in Kaufbeuren. Zur Ausstattung gehörte darüber hinaus eine historische März-Orgel mit zwölf Registern. Die Kapelle hatte nur geringe Kriegsschäden zu verzeichnen und ist daher bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben. Im Zuge der Generalsanierung wird der Komplex heute von der Hauptverwaltung der Münchenstift, Wohnungen der Münchenstift, verschiedenen Abteilungen des Sozialreferats, einem Kindertageszentrum sowie der Münchner Volkshochschule genutzt. In die ehemalige Kapelle soll ein vollwertiger Veranstaltungsraum einziehen, der für unterschiedliche Stadtteilveranstaltungen genutzt werden kann.
Um dies zu ermöglichen wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Grundlage
Profanierung der Kapelle und Abstimmung der Maßnahmen mit dem Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege - Neutralisierung und Restaurierung
Anpassung der Farbfassung, Reduzierung von Einbauten und Abschirmung des Altarbereichs - Verbesserung des Raumklimas
Ergänzung von Heizung und Lüftung sowie energetische Sanierung von Fenstern und Decke - Ausstattung mit Medientechnik
Reversible Veranstaltungstechnik an höhenverstellbarer Traverse vor dem Altarbereich mit Lautsprechern, Beleuchtung, Leinwand und Vorhang. Seminarbeleuchtung und Installation einer induktiven Höranlage. Akustik verbessernde Maßnahmen unter der Empore. - Erhalt der Orgel
Restaurierung und technische Instandsetzung der März-Orgel für Schulungsbetrieb und Konzerte
Ausblick
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird die ehemalige Kapelle nicht nur der Münchner Volkshochschule als Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen, sondern auch anderen Organisationen, Einrichtungen und bürgerschaftlichen Zusammenschlüssen. Angestrebt wird eine Kooperation mit Bezirksausschuss und Gemeinden für kulturelle und interreligiöse Angebote, die das Miteinander in Giesing fördern und eine bestmögliche Ausnutzung dieser besonderen Räumlichkeiten ermöglichen. Der Raum kann durch mobile Trennelemente flexibel genutzt werden – für Lesungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Symposien und Tagungen aber auch für Theater- und Konzertveranstaltungen. Die Volkshochschule plant eine Einweihungsfeier noch für dieses Jahr.
Foto: Münchner Volkshochschule

