BBZ Luisenstrasse
Mit der Generalinstandsetzung und Erweiterung des Städtischen Beruflichen Schulzentrums Thomas Wimmer an der Luisenstraße 9–11 entsteht inmitten der Maxvorstadt ein architektonisch wie städtebaulich spannendes, aber auch anspruchsvolles Projekt.
Die „lebende Werkstatt“
Im Zentrum der architektonischen Idee steht der Dialog zwischen Alt und Neu – sichtbar vor allem am Neubau des Pavillons mit Versammlungsstätte. Dieser pavillonartige Anbau mit großzügigen Glasflächen öffnet sich nicht nur zum Innenhof, sondern auch zur Luisenstraße und dem städtischen Raum. Die historische Fassade bleibt dabei stets ablesbar, der Pavillon wirkt als verbindendes Element und schafft eine transparente, einladende Geste zum Quartier. Mit seinen offenen Sichtbeziehungen, die auch Einblicke in die Werkstätten erlauben, wird das Schulzentrum buchstäblich zur „lebenden Werkstatt“ an der Museumsmeile.
Auch der Bestand wurde architektonisch aufgewertet: Der Arkadengang entlang der Luisenstraße erhielt neue Schaufenster und Ausstellungsflächen, die handwerkliche Arbeiten der Schüler*innen sichtbar machen und die Schwelle zwischen Schule und Öffentlichkeit bewusst niedrig halten. Der Eingangsbereich wurde neu organisiert und barrierefrei erschlossen, der Innenhof von einer funktionalen Erschließungsfläche zu einem begrünten Aufenthaltsort umgestaltet.
Ein anspruchsvolles Projekt und seine Herausforderungen
Die architektonische Handschrift zeigt sich auch in der konsequenten Umsetzung der technischen Herausforderungen. So wurde das Dach des Bauteils F in Spannbetonbauweise neu errichtet, um ein zusätzliches Technikgeschoss aufzunehmen – eine bauliche Lösung, inspiriert von Prinzipien des Brückenbaus. Innovative Carbonfaserwerkstoffe ermöglichen die statische Ertüchtigung der historischen Betondecken und der charakteristischen Shedhalle, ohne das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Elemente zu verändern. Diese präzise Balance aus technischer Notwendigkeit und architektonischer Sorgfalt zieht sich durch alle Ebenen des Projekts.
Ein Projekt mit Nachhaltigkeitsgedanken
Der Neubau und die sanierten Bestandsgebäude werden zudem von einem integralen Nachhaltigkeitskonzept getragen. Neben der energetischen Sanierung der Gebäudehülle – inklusive speziell entwickelter Thermo-Glasbausteine – wurden Fernwärme- und Fernkälteanschlüsse realisiert. Photovoltaikanlagen auf den Dächern sowie extensive Dachbegrünungen ergänzen das ökologische Profil des Projekts.
Ein architektonisches Zeichen setzt auch die Kunst am Bau: Die „Salomonische Säule“ der Künstlerin Karin Sander – ein sechs Meter hoher spiralförmiger Kamin auf dem Dach – interpretiert das Handwerk der Kaminkehrer auf künstlerische Weise und bringt Kunst, Architektur und Handwerk in einen spannungsvollen Dialog.
Foto: Stefan Müller-Naumann für Baureferat

