WIAA – Women in Arts and Architecture

WIAA – Women in Arts and Architecture

Anlässlich des Weltfrauentags starte ich hier mit einer neuen Reihe, in der ich euch immer wieder besondere Frauen in der Kunst und der Architektur vorstellen möchte. Beginnen möchte ich mit Lygia Clark, der zunächst in der Neuen Nationalgalerie Berlin und danach im Kunsthaus Zürich eine umfassende Retrospektive gewidmet wurde. Anlässlich dessen erschien eine Publikation, die ihr Gesamtwerk erstmals einem deutschsprachigen Publikum zugänglich macht.

Die Brasilianerin Lygia Clark (1920–1988) ist eine der einflussreichsten Künstler:innen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gilt als radikale Erneuerin des Kunstbegriffs. 

Clark entwickelte in den 1960ern interaktive Objekte, die Form und Sinn erhalten, wenn die Betrachtenden mit ihnen in Beziehung treten. Kunst begriff sie als partizipatives, sinnliches, mitunter heilendes Erlebnis. Hier wird ihre bahnbrechende Arbeit in ihrem ganzen Umfang greifbar – von ihren geometrisch-abstrakten Bildern über ihre partizipativ angelegten Skulpturen bis hin zu ihren performativen, therapeutischen Arbeiten. 

Clark war eine der Mitbegründerinnen und Hauptvertreterinnen des brasilianischen Neoconcretismo. Zusammen mit Lygia Pape und Hélio Oiticica zählte sie zu den Schlüsselfiguren zeitgenössischer Kunst in Brasilien. Mit ihren Arbeiten stand sie in enger Verbindung zur europäischen Moderne und emanzipierte sich gleichzeitig von ihr. Von der Malerei wandte sie sich früh ab und experimentierte zunächst mit handlichen, beweglichen Skulpturen. Später entwickelte sie Objekte, die wie Kleidungsstücke angezogen werden konnten und dazu dienten, in der „Haut des Anderen“ sein Gegenüber zu erkunden. Die Künstlerin veränderte die Rolle der Betrachtenden hin zu ihrer aktiven Beteiligung. Ihre Werke sprechen alle Sinne an und zielen auf eine gemeinschaftsstiftende Kunsterfahrung. 

Clark spielt eine zentrale Rolle für aktuelle Diskurse über Abstraktion, Partizipation und eine therapeutische Kunstpraxis. Ihr Erbe hat die Kunst des 20. Jahrhunderts tief geprägt und ist eine wichtige Referenz für zeitgenössische Kunst, die sich mit den Grenzen der konventionellen Kunstformen auseinandersetzt. Heute finden sich ihre Werke in den bedeutendsten Museen der Welt. 

Die umfassende Publikation zur großen Retrospektive präsentiert die bahnbrechende künstlerische Praxis Lygia Clarks in einer zugänglichen und umfassenden Übersicht. Vorgestellt wird die gesamte Werkentwicklung Clarks ab 1950 bis in die 1980er Jahre, angefangen von ihren geometrisch-abstrakten Bildern über ihre partizipativ angelegten Skulpturen bis hin zu ihren performativen, therapeutischen Arbeiten. Herausgegeben für die Staatlichen Museen zu Berlin von Irina Hiebert Grun und Maike Steinkamp. In Zusammenarbeit mit Cathérine Hug vom Kunsthaus Zürich.